Herbstkonzert 2023

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Die Corona-Pandemie und die Renovierung der Turnhalle der Mittelschule Steingaden hatten dazu geführt, dass der Musikverein Steingaden, abgesehen vom Kirchenkonzert 2022, seit 2019 kein größeres Konzert mehr gespielt hatte. Unter seinem neuen Dirigenten Christoph Weiß meldete er sich nun am 24. November in der Konzertliga zurück.

Vorstand Strauß konnte über 350 interessierte und gespannte Zuhörer und Zuhörerinnen in der frisch renovierten Turnhalle in Steingaden begrüßen, darunter Steingadens erster Bürgermeister Max Bertl sowie der Ortsgeistliche Abt Petrus Adrian und eine kleine Abordnung aus Schabs. Mit der feierlichen „Festmusik der Stadt Wien“, einer Fanfare aus der Feder Richard Strauss eröffnete Dirigent Weiß den Konzertabend. Dass er zum ersten Mal einen Saal gefüllt mit neugierigen Blicken und kritischen Ohren im Rücken hatte, schien den Dirigenten, der routiniert und voll Freude seinen Taktstock führte, nicht aus der Ruhe zu bringen. Nicht nur Dirigent Weiß gab an diesem Abend sein Debüt, auch die zweite Vorständin Daniela Alvisini hatte in diesem Jahr zum ersten Mal die Ansage übernommen und begrüßte die ZuhörerInnen, die sie auf eine musikalische Reise durch die Welt einlud, nach dem ersten Stück. Nach dem Auftakt in der österreichischen Hauptstadt Wien führte die Reise in die italienische Hauptstadt Rom in das Jahr 1816, zur Uraufführung der Oper „Der Barbier von Sevilla“ von Gioacchino Rossini. Christoph Weiß hatte die Ouvertüre dieser Oper, die von Liebe, Herzschmerz, Geld und Kampfgeist handelt, ausgewählt und sich und seinem Orchester damit eine Herausforderung gestellt, die sie den Reaktionen des Publikums zufolge hervorragend gemeistert hatten. Neben tosendem Applaus waren nach dem Stück einige „Bravo“ Ruf zu hören gewesen. Weiter in den Norden ging es schließlich mit der Komposition „Lord Tullamore“ von Carl Wittrock, die irische Klänge und Melodien aufgreift und ihren Titel einem kleinen Dorf in Irland verdank. Neben ruhigen Solo-Passagen mit schönen Melodien bot dieses Stück mit seinen markanten und imposanten Stellen echte Gänsehautmomente- wobei die Gänsehaut bei einige MusikerInnen vielleicht auch nur durch den Gedanken an ein Gläschen Whisky hervorgerufen wurde.

Bezirksleiter Gottfried Groß führte anschließend die Ehrungen durch und vergaß dabei nicht, die KonzertbesucherInnen ausführlich auf das im nächsten Jahr in Steingaden stattfindende Bezirksmusik- und Jubiläumsfest hinzuweisen. Für „Treue und Verdienste um die Blasmusik in 10-jähriger Tätigkeit“ ehrte der Bezirksleiter Alexander Dürr, Franziska Eicher, Lisa-Marie Greisel, Johannes Niggl, Christoph Sieber und Andrea Strauß. Die sich aus den aktuellen Entwicklungen ergebenden neuen Aufgaben im Vereinsleben wie „Vereins-Influencer“ waren dem Bezirksleiter dabei noch nicht geläufig. Der Saxophonist Georg Oswald sowie Dirigent Christoph Weiß wurden jeweils für 25-jährige Tätigkeit ausgezeichnet. Sein 40-jähriges Jubiläum konnte Walter Susanek feiern und bereits seit über 60 Jahren ist Fritz Strauß sen. im Verein aktiv und wurde dafür geehrt.

Erneut ins schöne sonnige, sommerliche Italien ging es mit dem „Florentiner Marsch“ von Julius Fucik. Dieser Marsch ist die Kurzfassung einer Operette in nur 5 Minuten. Mit seinen Melodien aus schnellen sechzehntel Folgen und den kurzen aus nur zwei Tönen bestehenden darauffolgenden Einwürfen vertonte er gewissermaßen die Unterhaltung eines Florentiner Pärchens. Welchem Geschlecht dabei welcher musikalische Part zugeordnet wurde, dürfte auf der Hand liegen.

Die Pause hatte das Orchester genutzt, um die lange Reise ins ferne Japan zu bewältigen. Mit dem „March-Bou-Shu“ von Satoshi Yagisawa präsentierte Dirigent Weiß eine besondere Facette seines Orchesters und forderte dabei das Holzregister ganz besonders. Mit diesen fernöstlichen Klängen stellte er nicht nur einmal mehr die Leistungsfähigkeit seines Klangkörpers unter Beweis sondern eröffnete den KonzertbesucherInnen einen Einblick in eine bei uns weniger bekannte Stilrichtung. Nachdem sich das Hornregister im bisherigen Konzertverlauf gemütlich warm spielen konnte, war es nun beim Stück „Hornfestival“ von Kurt Gäble besonders gefordert. Franziska Eicher, Thomas Eicher und Wolfgang Gasser mussten leider ohne ihren Kollegen Markus Ebinger, der krankheitsbedingt ausgefallen war, ihr Solostück bestreiten, was ihnen dennoch hervorragend gelang. Besonders freuten sie sich dabei darüber, dass sie nun auch einmal mit der Melodiestimme die Führung übernehmen und nicht wie fast immer nur einfache Nachschläge spielen durften. Nach diesem gelungenen Solo dürfte es für den Dirigenten umso schwieriger sein, den Hörnern ihre Nachschläge wieder schmackhaft zu machen.

Mit dem Medley „Toto in Concert“ das vier bekannte Melodien der Band Toto vereint, drehte der Musikverein die Zeit in die 70er zurück und brachte nochmal ordentlich Schwung in die renovierte Turnhalle. Hier war nun das hohe Blech besonders gefordert, das über weite Teile hinweg die eingängigen Melodien, zur Freude der Hörner auch mit deren Unterstützung, spielen durfte oder den ZuhörerInnen scharfe Einwürfe um die Ohren fetzte.

Nachdem sich Vorstand Strauß von den BesucherInnen verabschiedet und ihnen für ihr Kommen gedankt hatte, ging es noch einmal zurück zu den gewohnten Klängen traditioneller Blasmusik. Mit dem Marsch „Frei Weg“ von Carl Latann hatte Dirigent Weiß zum Abschluss auch den Freunden der klassischen Marschmusik etwas zu bieten. Dass der Dirigent mit seinem abwechslungsreichen Programm genau den Geschmack des Publikums getroffen hatte und dieses zudem noch überzeugend mit seinem Orchester präsentiert hatte, zeigte der starke, nicht enden wollende Applaus am Ende. Das unnachgiebige Klatschen wurde schließlich mit der Zugabe „In unserem Städtchen“, einer böhmischen Polka von Karal Valdauf, belohnt. Doch auch damit wollte sich das Publikum noch nicht zufriedengeben und erklatschte sich eine weitere Zugabe. Mit dem „Steingadener Musikantenmarsch“ den die MusikerInnen ihrem langjährigen Musikkameraden und dem Komponisten des Stücks Gerhard Klein, der erst wenige Wochen zuvor verstorben war, widmeten, verabschiedete sich der Dirigent mit seinem Orchester. Die Erleichterung und Freude über das gelungene Konzert waren allen Beteiligten anzumerken. Auch zahlreiche Stimmen aus dem Publikum bescheinigten dem Dirigenten ein äußerst gelungenes Debüt.

Beim anschließenden Festbankett in gewohnter Art und Weise konnten sich die Musikerinnen und Musiker stärken und gemeinsam ihren Erfolg feiern.

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