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Seit dem letzten Gautrachtenfest, dessen musikalische Betreuung dem Musikverein Steingaden oblag, sind bereits sieben Jahre vergangen. Höchste Zeit also für das nächste Gaufest! Und nachdem die Urspringer nach ihrem Jubiläumsfest im letzten Jahr noch immer in Feierlaune waren, zogen sie in diesem Jahr das Ganze drei Nummern größer auf und richteten das 96. Gautrachtenfest des oberen Lechgaus aus. Für den Musikverein Steingaden bedeutete dies einmal mehr einen musikalischen Marathon. Nach der Zeltprobe mit der Gaugruppe zur Abstimmung zwischen Blaskapelle und Plattlern am Donnerstag vor dem Gaufest, konnten sich die Musikerinnen und Musiker am Freitagabend beim Wettsägen auf die kommenden Tage im Bierzelt einstimmen. Für die musikalische Unterhaltung hatten die Lechtaler Urspring die Blechbätscher engagiert, die im Jahr zuvor beim Festausklang zum Jubiläumsfests in Steingaden einen exzellenten Auftritt hingelegt hatten, der vermutlich auch der Auslöser für dieses Folgeengagement war. Mit Martin Niggel und Georg Linder stellte der Musikverein ebenfalls ein wie sich später zeigen sollte äußerst erfolgreiches Team im Sägewettbewerb. In mehreren Runden traten jeweils zwei bis drei Teams gleichzeitig gegeneinander an, wobei ein Team nach insgesamt zwei Niederlagen aus dem Wettbewerb ausschied. So kämpfte sich das Team des Musikvereins mit der Unterstützung ihrer im Zelt verteilten Kameradinnen und Kameraden schließlich bis ins Finale. Da das Musik-Team mit einer Niederlage im Gepäck ins Finale eingezogen war hätte es zwei Siege gegen den bisher ungeschlagenen Endgegner der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbach erreichen müssen, um den Wettbewerb zu gewinnen. Die Lauterbacher ließ allerdings nichts anbrennen und „zersägte“ das Musik-Team gleich in der ersten Finalrunde. Dennoch darf den beiden Kraftpaketen des Musikvereins zu einem sensationellen zweiten Platz gratuliert werden. Auch das Team der Freiwilligen Feuerwehr Steingaden, in dem Musikkamerad Noah Würzle an der Säge stand, darf mit seinem souveränen 4. Platz nicht unerwähnt bleiben. Nach der Siegerehrung und einigen Blasmusikperlen von den Blechbätschern zogen sich diese zu einer kurzen Pause zurück. Als die Musik wieder zu spielen begann hörte man trotz des nun wummernden Basses einige Plattler-Kiefer auf dem Zeltboden aufschlagen. Partystimmung im Bierzelt bei einem Gaufest? Das hat es doch noch nie gegeben! Doch das Konzept aus Tradition und Party ging voll auf. Ein volles Bierzelt auf den Bierbänken – das dürften bisher nur wenige Trachtenvorstände geschafft haben.  Und so feierten die Sieger, fast Sieger und Sieger der Herzen bis in die frühen Morgenstunden hinein.

Gauheimatabend. Dieses Wort lässt Land auf Land ab dem Großteil der Musikerinnen und Musiker das Blut in den Adern gefrieren. Denn üblicherweise gehen damit zahlreiche Plattler und ansatzintensive Auftänze einher. Als geübte Festkapelle zucken die Steingadener inzwischen allerdings nur noch müde mit der Schulter angesichts dieser Herausforderung. Am Samstag fand sich die gesamte Mannschaft also im Festzelt ein, um nach einer Stärkung ab 20:00 Uhr zum Heimatabend aufzuspielen. Da viele der teilnehmende Trachtenvereine ihre eigene Musik dabei hatten, blieb den Musikerinnen und Musikern mit ihrem Dirigenten Christoph Weiß einige Zeit, die teils raffinierten und abwechslungsreichen Plattler zu beobachten oder über die hinter der Bühne aufgestapelten Unmengen an Toilettenpapier zu philosophieren. Rückwirkend betrachtet hätte manch einer das Papier am Sonntag gut gebrauchen können. Besonders erwähnt werden darf der von der Gaugruppe vorgetragenen Gauschlag auf den Hochachtungsmarsch, bei dem einige anspruchsvolle Triolenläufe in die Plattlerschläge integriert wurden. Gegen Elf war schließlich der offizielle Teil des Abends beendet und der Musikverein spielt anschließend noch gut eineinhalb Stunden zum allgemeinen Tanz auf. Mit dem Marsch „Energie und Kraft“ verabschiedeten sich die Steingadener schließlich und viele der MusikerInnen traten rasch den Weg in ihre Betten an, während einige noch in der Bar vorbeischauten, um Energie und Kraft für den nächsten Tag zu tanken.

Am Sonntagmorgen ging es für die Musikerinnen und Musiker bereits um 9:15 Uhr mit der musikalischen Gestaltung des Festgottesdienst weiter. Da das Wetter allerdings nicht mitspielte, konnte nicht wie geplant eine Feldmesse auf der Egg stattfinden, und der Gottesdienst wurde vom Ortsgeistlichen Pater Joyice im Festzelt zelebriert. Die Zeit bis zum Festumzug vertrieben sich die Musikerinnen und Musiker bei guter Unterhaltung durch die Nachbarkapelle aus Wildsteig mit Spezialitäten aus der Küche und kühlem Bier. Der hl. Petrus zeigte sich weiterhin unschlüssig bzgl. des Wetters konnte sich dann doch dazu durchringen die Wolken beiseitezuschieben und den großen Festumzug durch Urspring zu ermöglichen. Um nicht zu riskieren doch noch nass zu werden, wurde der Beginn des Festzugs kurzerhand 15 Minuten vorverlegt, was sich tatsächlich auszahlte, da mit dem Eintreffen der letzte Zugnummern am Zelt wieder Regentropfen vom Himmel fielen. Als Festkapelle oblag es natürlich dem Musikverein Steingaden hinter den Vorreitern den Festzug durch Urspring anzuführen. Erfreulicherweise hatten sich zahlreiche Zuschauer entlang der Strecke eingefunden, die sich nicht von den wechselhaften Witterungsbedingung hatten beirren lassen. Nach der Rückkehr ins Zelt nahmen die Steingadener Musikerinnen und Musiker erneut auf der Bühne Platz, um die Ehrentänze musikalisch zu begleiten. Dabei konnten sie aus nächster Nähe miterleben, wie Bürgermeister Bertl die große Ehre einer „Enzian-Mass“ zuteilwurde. Als schließlich der letzte Schlag der Ehrentänze verklungen war, legte Dirigent Weiß eine Reihe altbekannter Militärmärsche auf, mit denen er das Festzelt sofort begeisterte und die Stimmung merklich stieg. Mit traditioneller Blasmusik überbrückten die Steingadener die Zeit bis ca. 17:00 Uhr bis die Vierer-Combo Blosamol übernahm. Die Musikerinnen und Musiker des Musikvereins Steigaden konnten sich dann in den wohlverdienten Feierabend verabschieden, die Bierzeltatmosphäre genießen und das Fest ausklingen lassen, wohlwissend: „Nach dem Gaufest ist vor dem nächsten Gaufest“.

 

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