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Bestens vorbereitet traten die über 60 Musikerinnen und Musiker des Musikvereins Steingaden am Samstag, den 11. April, zu ihrem Frühjahrskonzert auf die Bühne in der Turnhalle der Mittelschule Steingaden. Seit Anfang Januar hatte sich Dirigent Christoph Weiß in zahlreichen intensiven Register- und Gesamtproben mit seinem Orchester auf das Konzert vorbereitet. So freute es die Musikerinnen und Musiker nach all den Mühen, dass der erste Vorstand Andi Strauß gut 350 ZuhörerInnen zum Konzert in der fast voll besetzten Turnhalle begrüßen konnte. Darunter auch Bürgermeister Max Bertl, den Ortsgeistlichen Pater Joyice, Wieskurat Florian Geis, Bezirksdirigent Robert Schweiger, Ehrenbezirksleiter Gottfried Groß sowie Vertreter der Lokalpresse.

Zur Eröffnung des Konzerts bot Dirigent Weiß mit seinen Musikerinnen und Musikern das festliche Stück „Jupiter Hymn“ aus dem mehrteiligen Werk „Die Planeten“ von Gustav Holst dar. Anschließend führte in diesem Jahr zum ersten Mal ein Moderations-Duo durch das Programm: Daniela Schelle und Anna Bair, die beide bereits Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt hatten und nun mit geballter Kompetenz vor das Mikro traten. Nach dem Eröffnungsstück folgte direkt das Wertungsstück „Festive Overture“ aus der Feder des japanischen Komponisten Satoshi Yagisawa, das einen der Probenschwerpunkte dargestellt hatte. Der lange Applaus des Publikums nach dem Stück darf als Bestätigung angesehen werden, dass die Steingadener bei der Vorbereitung auf das Wertungsspiel auf einem guten Weg sind. Eine weitere Herausforderung meisterten die Steingadener anschließend mit dem zweiten Wertungsstück „Signature“ von Jan van der Roost, das mit einer kraftvollen Fanfare beginnt, der eine melodische Passage und schließlich ein markanter Rhythmus im 9/8tel-Takt folgen. Nach diesen Strapazen war dem Dirigenten und seinen Musikerinnen und Musiker bei den Ehrungen eine kleine Verschnaufpause gegönnt.

Für 10-jährige Tätigkeit und Verdienste um die Blasmusik konnte Bezirksdirigent Robert Schweiger in diesem Jahr Jakob Eicher, Fritzi Eicher und Theresa Schuster ehren. Auf 25-Jahre aktives Musikerdasein dürfen Daniela Völk und Monika Streif zurückblicken und wurden dafür vom Bezirksdirigenten im Namen von Franz Pschierer, dem Präsidenten, ausgezeichnet. Dabei darf das Engagement von Monika Streif besonders hervorgehoben werden, die seit über 20 Jahren als Trachtenwartin in der Vorstandschaft aktiv ist. Bereits seit 40 Jahre ist Rudi Schuster beim Musikverein aktiv und wurde ebenfalls dafür ausgezeichnet. Dieser hatte bereits im Vorfeld des Konzerts angekündigt, seine Musikerkarriere nach dem Konzert zu beenden, was ihm eine Überzeugungsoffensive zu einem längeren Verbleib im Verein in Form eines tosenden Applauses der Musikerinnen und Musiker sowie der Zuhörer bescherte. Der „Tubist zum Pferdestehlen“ Gregor Niggl, der seine Musikkarriere vor 60 Jahren auf der Klarinette begonnen hatte, wurde für dieses grandiose Jubiläum ebenfalls geehrt. Bezirksdirigent Robert Schweiger merkte an, dass dieser Leistung Standing Ovations angemessen seien, worum sich ZuhörerInnen und MusikerInnen nicht lange bitten ließen und dem Jubilar so ihren Respekt zollten. 

Anschließen übernahm die zweite Dirigentin Laura Strobl den Taktstock für das von ihr ausgewählte Stück „Dolomitenzauber – Eine romantische Ouvertüre“ von Sepp Thaler, das gleichzeitig eine Hommage an den im letzten Jahre verstorbenen langjährigen Musikkamerad Fritz Eicher Sen., ihren Opa, darstellte. Dieser zählte dieses Stück zu seinen Lieblingsstücken und so wurde den Musikerinnen und Musikern von seiner Enkelin ein Ausflug zu steilen Felswänden, rotglühenden Bergspitzen und glasklaren Bergseen beschert. Bevor die Zuhörer in die Pause entlassen wurden, gaben die Steingadener Musikerinnen und Musiker eine musikalische Vorschau auf das im Sommer stattfindende Freilichtspiel „Welf Erbe“, das bereits seine Schatten voraus wirft. Bei vielen Steingadenern dürften bei den gespielten Auszügen aus der Theatermusik, die von Manfred Glowatzki 1997 eigens für das Freilichtspiel komponiert wurde, alte Erinnerungen wach und bei allen anderen hoffentlich die Neugierde und Vorfreude geweckt worden sein. Den für den Theatersommer extra gebrauten „Welfen Trunk“ konnten die ZuhörerInnen in der Pause bereits verkosten.

Den zweiten Teil des Konzerts eröffnete Dirigent Christoph Weiß mit „Olympic Spirit“, einer fulminanten Fanfare des Komponisten John Williams, der diese anlässlich der Sommerspiel 1988 in Seoul geschrieben hatte und damit nun auch dem hohen Blech der Steingadener olympische Spitzenleistungen abverlangte. Die beiden darauffolgenden Stücke nutzte Dirigent Weiß, um zwei weibliche, junge Nachwuchstalente dem Publikum zu präsentieren. Mit „Concierto d’Amore“ von Jacob de Haan gab Emma Fischer souverän ihr Debüt als Dirigentin beim Musikverein Steingaden wofür die „freundliche, lebensfrohe und aufgeschlossene junge Dame“, wie sie Moderatorin Daniela Schelle vorstellte, viel Applaus erntete. Weitere künftige Einsätze der Klarinettistin als Dirigentin sind daher vermutlich nicht auszuschließen. Paula Eicher nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer beim nächsten Stück mit in die Welt der Musicals. Als Gesangssolistin präsentierte sie das Lied „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ mit Texten von Michael Kunze und Melodien von Sylvester Levay. Mit ihrer voluminösen und klaren Stimme zog sie sowohl ihre MusikerkollegInnen, die Sie musikalisch begleiteten, als auch das Publikum in ihren Bann. Belohnt wurde sie schließlich mit tosendem Applaus von allen Seiten. An dieser Stelle darf auch erwähnt werden, dass sie sich mit ihrem sängerischen Talent erst vor gut einem Jahr auf der After-Show Party des Frühjahrskonzert aus der Deckung gewagt hatte und von Dirigent Weiß sofort gescoutet worden war.

Ein Stück zum Mitschunkeln für die älteren Generationen und gute Laune folgte mit „Udo Jürgens – live“, einem Medley aus den bekanntesten Melodien der Sängerlegende Udo Jürgens. In der Ansage prüften die beiden Moderatorinnen die Textsicherheit der Musikerinnen und Musiker und lieferten zu jedem der im Medley aufgegriffenen Stücke ein Schlagwort, zu welchem die Musikerinnen und Musiker den Liedtext ergänzten – und hier trotzt des Altersdurchschnitts um die 30 hervorragende Leistungen erzielten. Auch diese Abfolge an Schlager schien beim Publikum gut anzukommen und wurde entsprechend mit Applaus goutiert. Die Freunde der traditionellen Blasmusik hatte Dirigent Weiß bei diesem Konzert lange auf die Folter gespannt. Doch legte er als vorletztes Stück des offiziellen Programms endlich eine waschechte Polka auf: „Musikantentraum“ von Karol Pádivý. Eine Polka wie sie böhmisch-mährischer nicht sein könnte, mit ordentlich Schlanz und Charakter. Vor dem letzten Stück ergriff Vorstand Stauß noch einmal das Wort und dankte den Konzertbesuchern für ihr kommen und wünschte einen guten Nachhauseweg. Zu guter Letzt folgte der schwungvolle „Canadian Air Force“ Marsch von Frence Geiger. Aufgrund des kräftigen und langanhaltenden Applauses, der auf das letzte Stück folgte, sowie vereinzelten Standing Ovations ließen sich die Musikerinnen und Musiker zu einer Zugabe erweichen. Auch hier hatte Dirigent Weiß nicht gespart und mit „The Story“ von Philip John Hanseroth in der Fassung von Martin Scharnagel einen weiteren stimmungsvollen Knüller ausgesucht. Auch danach brandete erneut Applaus auf und so legte der Dirigent zum Abschluss den „Steingadener Musikantenmarsch“ aus der Feder des ehem. Musikkameraden Gerhard Klein auf. Erst als schließlich die Beleuchtung der Turnhalle wieder eingeschaltet wurde, verstummte der Applaus auch nach dieser zweiten Zugabe. Insgesamt darf der Musikverein mit diesem gelungen Konzert sehr zufrieden sein, was auch von zahlreichen ZuhörerInnen bestätigt wurde.

Nach einer kurzen Verschnaufpause wurde die Turnhalle in Rekordtempo wieder abgestuhlt, ausgeräumt und in ihren Ausgangszustand versetzt. Zeitgleich wurde das übliche Festbankette in der Aula der Mittelschule vorbereitet. Nachdem sich die Musikerinnen und Musiker mit ihren Begleitungen und den Beerdigungsmusikern dort eingefunden hatte, nutzte Vorstand Strauß die Gelegenheit den für 25, 40 und 60-Jahre Geehrten und deren Partner Geschenkkörbe und Blumensträuße zu überreichen. Zudem bedankte er sich mit einer Kleinigkeit beim ersten Dirigenten Christoph Weiß, der zweiten Dirigentin Laura Strobl und Nachwuchsdirigentin Emma Fischer für ihren Einsatz. Auch dem Aushilfstenorhornisten Markus Waltner dankte der Vorstand für die Unterstützung und überreichte ihm einen Präsentkorb. Schließlich eröffnete der erste Vorstand das wie in jedem Jahr reichhaltige Buffet und die große Schlacht ums Geschlachtete begann. Bei bester Stimmung feierten die Musikerinnen und Musiker den erfolgreichen und gelungenen Konzertabend, die einen mit mehr, die anderen mit weniger Spargelröllchen. Zu guter Letzt bemühte sich eine kleine Truppe um einen gesegneten Absch(l)uss der Feierlichkeiten.

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