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12.11.2019
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14.09.2019 08:45 Uhr

14.09.2019 Ausflug Musauer Alm

Von: Jakob Hindelang

Entgegen der außerordentlich guten Wetterprognosen war der Morgen des 14. Septembers sehr neblig und die Sonne ließ sich nicht einmal mit einem winzigen Schein blicken. Aber da die Steingadener Musiker keine Schönwettermusikanten sind und jedem Wetter trotzen, trafen sich um 8.45 Uhr ein ganzes Buschel von ihnen, um zum gemeinsamen Ausflug aufzubrechen. Als erstes Reiseziel auf der zweitägigen Tour stand der Heiterwanger See auf dem Plan. Da das genaue Reiseziel - Heiterwanger oder doch Plansee - allerdings nicht allen ganz klar war wählte man sicherheitshalber die „wild-romatnische“ Route über Musau-Reutte-Breitenwang um schließlich doch auf der Schnellstraße Richtung Fernpass zu landen. Dabei hatte man sich extra noch eine ausgeklügelte Ausrede bezüglich des Reiseziels zurechtgelegt, um den Fängen der Tiroler Sicherheitswacht zu entgehen, die einen gnadenlos schon früher auf die Schnellstraße zurückverwiesen hätte. Erfreulicherweise war hinter der Grenze nichts mehr vom Nebel zu sehen und strahlend blauer Himmel begrüßte die Musiker in Tirol. Gegen dreiviertel zehn erreichte der Trupp dann den Parkplatz am Heiterwanger See, wo die Lokalmatadorin und Dirigentin Melanie schon wartete. Nach einem kurzen Biesel-Stopp machten sich die Musiker auf den Weg Richtung Rundfahrtschiff. Da viele Ausflügler aus den nördlichen Gefilden der Bundesrepublik schon etwas früher als die Musiker am Steg waren, waren die besten Plätze auf dem Freiluftdeck des Schiffs schon besetzt bis Vorstand Strauß den Fährmann entlohnt hatte. Der stets auf das Wohl seiner Musiker bedachte Vorstand verkündete daher auf dem oberen Deck, dass man hier nur mit vorheriger Reservierung sitzen dürfe und daher die Plätze für die Musiker zu räumen seine, was einige Ausflügler, die dem raffinierten bayerischen Humor des Vorstands nicht gefeit waren, dazu veranlasste panisch nach ihren Tickets zu suchen. Andere hingegen kommentierten die Ausführungen des Vorstands, dass der Musikverein reserviert habe nur mit einem knappen „äbör nicht öfm Överdäck“. Diejenigen Passagiere, die die Szenerie des Schauspiels durchblickt hatten, bogen sich vor Lachen. Das Schiff legte schließlich ab und einige Musiker mussten bis zum ersten Halt stehend oder auf dem Geländer sitzend ausharren. Da ein Großteil der Passagiere das Boot dann verließ, konnten nun alle Musiker die Fahrt sitzend fortsetzen. Entgegen der allgemeinen Erwartung wurden auf dem Schiff keine Erfrischungsgetränke angeboten, sodass die Musiker mit den wenigen selbst mitgebrachten Getränken zufrieden sein mussten, die nur schlückchenweise ausgegeben wurden. Nach gut zwei Stunden Rundfahrt auf dem Heiterwanger See und dem Plansee kehrten die Musiker zurück zum Parkplatz, wo sie zunächst ihren Flüssigkeitshaushalt wieder ausglichen und dann zum Mittagessen zurück nach Reutte aufbrachen. Im Restaurant Alina waren zwei Tische für die Musiker reserviert, an denen es sie sich bequem machten. Mit einem Angebot, das von Pizza über Napoleontoast, Schluzkrapfen und Kürbisragout bis zu Teller Alina und Steaks reichte, war für jeden Geschmack etwas dabei und die Mägen wurden gut gefüllt. Der selbst ernannte Busfahrer Andi Strauß, der eigentlich nur VW-Busmitfahrer war, fragte nach zwei Weißbier schließlich die Hausherrin ganz unbedarft, ob denn hier das Essen für Busfahrer nicht frei sei, worauf diese ihm einen Cappuccino anbot, den der Busfahrer aber gekonnt in eine Runde Schnaps für die ganze Gruppe umwandelte. Dumm nur, dass für Busfahrer Alkohol tabu ist und er so auf den Schnaps gezwungenermaßen verzichten musste. Frisch gestärkt machten sich die Musiker dann auf den Weg zum Parkplatz bei der Bärenfalle, um von dort zu Fuß den Aufstieg zur Musauer Alm zu wagen. Der Vereinsvorstand hatte seinen elektrifizierten Drahtesel mitgebracht und düste dem wandernden Fußvolk quasi als Kundschafter voraus. Der mit zahlreichen Schikanen und äußerst scharfen Kurven gespickte Weg zwang die Wandergruppe immer wieder dazu das Tempo deutlich herunterzusetzen und mehrere Boxenstopps einzulegen, um Kühlflüssigkeit und Sprit nachzufüllen – Sicherheit geht schließlich vor. Auch entgegenkommende Wanderer wurden zum Teil selbstlos mit Kühlmittel versorgt und so vor einer Überhitzung bewahrt. Zu den Klängen von Blasmusik und „Engelbert, Engelbert, Engelbert Strauss“ Gesängen arbeite sich die Gruppe Stück für Stück am Berg voran. In der letzten Kurve vor dem Ziel war schließlich auch der letzte Tropfen Sprit aufgebraucht, und die Musiker schafften es gerade noch so bis zur Hütte, wo der Vorstand schon munter aus seinem Dachgeschosseinzelzimmer grüßte. Nach einer fast herzlichen Begrüßung durch die Hüttenwirtin bezog das Fußvolk die Mehrbettzimmer und das Matratzenlager. Nach kurzer Verschnaufpause und körperlicher Erfrischung leiteten die Wanderer die Rekreationsphase auf der noch sonnig-warmen Terrasse vor der Hütte ein und einige stellten ihre Geschicklichkeit beim „Knack die Nuss“ auf dem Trampolin unter Beweis. Nachdem die Sonne hinter den umliegenden Gipfeln verschwunden war und langsam Nebel aufzog, verzupften sich die Musiker und Musikerinnen ins innere der Hütte und stärkten sich mit Kässpätzle, Krautspäzle und Schlachtplatte. Nach Beginn der Dämmerung erreichten noch drei weitere Jungmusiker die Hütte, die im Hinblick auf das Unentschieden beim Fußballspiel am Nachmittag besser gleich in der Früh mit zum Ausflug gefahren wären. Zu schon fortgeschrittener Stunde schlug noch ein weiteres Musikertrio in der Hütte auf, sodass die Gruppe schließlich komplett war. In ausgelassener und fröhlicher Stimmung wurde Gesungen, Mäxle gespielt und versucht Begriffe wie Kleintierzuchtverein und Stringtanga pantomimisch darzustellen. So verging die Zeit wie im Flug und ruckzuck war es schon morgen, sodass ein Geburtstagslied für das Flötengeburtstagskind Theresa angestimmt wurde. Die Hüttenwirtin spendierte sogar eine Runde Schnaps für die Feierlichkeiten. Langsam verdünnte sich das Feld und gegen dreiviertel Drei hatte der Wirt auch die letzten ins Bett geschickt. Am nächsten morgen erwachten so gut wie alle mit Kater auf, die wenigsten hatten ihn jedoch in den Füßen. Einige hatten sich entschlossen, nach den großen Schlucken am Vortag die große Schlicke in Angriff zu nehmen und waren gen Gipfel aufgebrochen. Für den einen war der Aufstieg mehr anstrengend, für die anderen weniger. Die auf der Hütte verbliebenen machten sich schließlich auf zum Schwammerl suchen, um das gute Wetter auch etwas auszunutzen, und konnten neben einem toten Reh auch drei Steinpilze und zwei Pfifferlinge finden. Gegen Mittag waren die Gipfelstürmer schließlich zurück an der Hütte und nach einer weiteren Stärkung mit den Spezialitäten des Kochs und einer Verabschiedung, die genauso herzlich war wie die Begrüßung, brache die muntre Gruppe zurück ins Tal auf. Nach dem ca. einstündigen Abstieg, der ganz ohne Boxenstopps verlief, folgten die Musiker der Einladung ihrer Dirigentin ins Rückholzer Holz, wo sie bereits von ihr und ihrem Mann und Wirt Sigi erwartet wurden. Die hervorragende Verköstigung mit Kaffee, Kuchen, Leberkässemmeln und Maria-Hilfer Bier bildete den krönenden Abschluss des Ausflugs. Zusammenfassend kann man über den Ausflug mit den Worten des Vorstands sagen: Schade für die, die nicht dabei waren.