Anzahl Besucher:
6564315
August 2019
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 01 02 03 04
05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31 01
Nächster Termin:
08.09. Bleickmesse
Nächste Probe:

Keine Termine gefunden

26.08.2019
Sie befinden sich hier: Aktuelles
27.04.2019 20:00 Uhr

Frühjahrskonzert 27.04.2019

Von: Jakob Hindelang

Was war das für ein Konzert! Fulminant, emotional, eindrucksvoll. Das Frühjahrskonzert des Musikvereins Steingaden, das am Samstag, den 27.04.2019 in der Turnhalle der Mittelschule Steingaden stattfand wird vermutlich nicht nur den Akteuren, sondern auch vielen Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben. Gründe hierzu gibt es zahlreiche. Vorstand Andi Strauß konnte in der voll besetzten Turnhalle an die 500 Zuschauer aus der näheren Umgebung und auch aus dem fernen Südtirol begrüßen, die voller Erwartungen und auch Neugierde bezüglich der neuen Dirigentin gekommen waren. Schließlich eröffnete Georg Müller das Konzert mit dem Marsch „Vivat Athesis“ – „Es lebe die Etsch“ von Hans Finatzer bevor er dann der neuen Dirigentin Melanie Möst den Takstock überreichte und somit die musikalische Leitung der Kapelle nach 20 Jahren in ihre Hände legte. Melanie Möst nahm den Taktstock mit offensichtlich großer Freude und Gelassenheit an und strahlte zugleich einen großen Tatendrang aus. Ansagerin Anna Bair, die einmal mehr gekonnt durch den Abend führte, beschrieb den nun ehemaligen Dirigenten mit mehr als zutreffenden Worten als geduldigen, ruhigen, hoch geschätzten, gutes Sitzfleisch besitzenden und nicht nur zuverlässigen sondern auch lässigen Musikkameraden. Starker Applaus von den Musikern und den Zuhörern zeigte die große Zustimmung zu diesen Worten an und in einige Gesichtern standen die ersten Emotionen geschrieben. Das nächste Stück „Fanfare for a new Horizon“ von Thomas Doss stand als Sinnbild für den Neuanfang mit der neuen Dirigentin Melanie Möst, die nicht zuletzt mit ihrem Tiroler Charme sogar die Tubisten und Schlagzeuger unter Kontrolle gebracht hatte. Nach diesem gelungenen ersten Stück unter der neuen Dirigentin wurde direkt die schwere Blasmusikliteratur aufgefahren und die Kapelle empfand mit der „Appalachian Ouverture“ von James Barnes die Aufbruchstimmung und Herausforderungen der Siedler im Wilden Westen nach, die die Appalachen überqueren mussten. Das Stück „Hindenburg“ von Michael Geisler, das die Tragödie um den gleichnamigen Zeppelin, der beim Landeanflug in Lakehurst in Flammen auf ging, erzählte, wurde von den Zuhörern als besonders eindrucksvoll gelobt, was nicht zuletzt den überragenden Solisten zuzuschreiben war. Mit selbigem Stück hatte sich die Dirigentin Melanie Möst im letzten Jahr bei der Kapelle im Probedirigat vorgestellt und konnte damals die Musiker und am Konzert nun auch die Zuhörer von sich überzeugen.

Zur Durchführung der Ehrungen war in diesem Jahr extra die Vizepräsidentin des Allgäu-Schwäbischen-Musikbundes Centa Theobald zusammen mit Bezirksleiter Gottfried Groß gekommen. Der hohe Besuch hatte seinen Grund: Musikkamerad Gerhard Klein wurde für sagenhafte 70 Jahre aktive Mitgliedschaft im Musikverein geehrt, was in Anbetracht der zahlreichen Ehrenämter die er in dieser Zeit im Verein übernommen hatte und seiner unbeschreiblichen Verdienste um den Verein und die Musik in Steingaden einfach nur unglaublich ist. Selbstverständlich zollten seine MusikkameradInnen dieser Leistung mit Standing Ovations ihren Respekt und auch die Zuhörerschaft schloss sich mit an. Nach der Übergabe der Eherennadel ließ es sich Gerhard Klein nicht nehmen noch einige Worte des Dankes an seine Musiker und seine Familie zu richten und überreichte der neuen Dirigentin schließlich die Noten des bisher noch nicht veröffentlichten „Steingadener Tanzlmusik Walzers“, dessen Melodien er einst selbst für die von ihm geleitete Steingadener Tanzlmusik komponiert hatte und den er nun zusammen mit seinem Freund Karl Edelmann für Blasorchester gesetzt hatte. Diese Geste zeigte einmal mehr seine Große Verbundenheit zum Verein. Stefanie Schwarz, die bereits seit 13 Jahren mit großem Engagement die Kasse des Vereins führt wurde für 25 Jahre Tätigkeit im Verein ausgezeichnet. Auch wenn Centa Theobald mit ihren ausführlichen Grußworten einen sehr würdigen Rahmen für die Ehrungen geschaffen hatte, dürfte sich der ein oder andere gedacht haben, dass sie ihrer eigenen Aussage, die Musik solle bei einem Konzert im Vordergrund stehen, mehr Bedeutung hätte zukommen lassen sollen. Eher untypisch war, dass in diesem Jahr auch der Bürgermeister Xaver Wörle seine Grußworte an die Zuhörer und MusikerInnen richtete. Der Hauptgrund seiner Rede war jedoch mehr als angemessen. Gleich zwei Mitglieder des Vereins wurden für ihre langjährigen Verdienste mit der silbernen Ehrennadel der Gemeinde Steingaden ausgezeichnet. Zum einen wurde Markus Eicher, der über 18 Jahre hinweg Vorstand des Vereins war, ausgezeichnet und zum anderen der ehemalige 1. Dirigent Georg Müller. Müller war von der Auszeichnung sichtlich überrascht und rang mit seiner Fassung hinsichtlich dieser Ehre und den lobenden Worten. Bürgermeister Wörle betonte das außerordentliche Engagement Müllers in den letzten 20 Jahren, das mit dazu beigetragen habe, dass er auf die Musikkapelle seiner Gemeinde als Aushängeschild so stolz habe sein können. Auch erwähnte er den unermüdlichen Einsatz als musikalischer Leiter bei den großen Freilicht-Festspielen „Welfs Erbe“, „Wunder Wies“ und „Die Anstifter“. Und erneut gab es von allen Anwesenden Standing Ovations und nicht nur der Geehrte war sichtlich gerührt. Nach diesen umfangreichen, aber stimmigen Ehrungen verabschiedete sich die Kapelle schließlich mit dem Marsch „Graf Zeppelin“ von Carl Teike in die Pause.

Mit dem Paso Doble „Gallito“ von Santiago Lope bewies die neue Dirigentin Melanie Möst zum Auftakt des zweiten Teils, dass die Kapelle unter ihrer Leitung auch spanische Klänge zu spielen vermag. Den Titel „Gallito“, was übersetzt kleiner Hahn heißt, für den den Stierkampf verkörpernden Paso Doble konnte Moderatorin Anna Bair allerdings nicht erklären. Von der spanischen Halbinsel setzten die Musiker anschließend direkt über nach Südamerika und präsentierten das von kolumbianischen und kubanischen Rhythmen beeinflusste Stück „Latin Woods“ von Mario Bürki. Dabei ließen die vier Solisten ihre Klarinetten Salsa vom allerfeinsten Tanzen. Für das nötige Fundament und den Groove sorgte Lucia Schmid an der Bass Klarinette, währen Daniela Alvisini mit ihrem italienischen Temperament, Nachwuchstalent Lukas Eicher und „Oldie but Goldie“ Gerhard Klein die Melodie-Parts übernahmen. Davon, dass das Solostück hervorragend gelungen war, zeugte der große Applaus der Zuhörer und die erleichterten Gesichter der Solisten. Als nächstes stand das zweite Wertungsstück „Three Times Blood“ von Fritz Neuböck auf dem Programm. Dieses Stück orientiert sich an einer Bilderreihe des Künstlers Stefan Feuchtner, der mit seinen Bildern Eisblut, Erdenblut und Sonnenblut die Zerstörung der Natur durch den Menschen in weiten Teilen der Erde wie z.B. der Arktis oder Afrika verbunden mit der Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben thematisiert. Der Wechsel von arktischen zu afrikanischen Klängen stellte die Musiker vor einige Herausforderungen, die sie allerdings gut fertigbrachten. Mit dem vorletzten Stück wandte sich die Kapelle schließlich der Rockmusik zu und bot mit dem Welthit „Bohemian Rhapsody“ von Freddie Mercury einen weiteren Ohrenschmaus. Begleitet wurde die Kapelle dabei von der Pianistin Katharina Huber, die ihren ersten und eventuell nicht letzten Auftritt mit der Musikkapelle ausgezeichnet meisterte. Nachdem Vorstand Strauß sich bei den Zuhörern für ihre Kommen bedankt und sich von ihnen verabschiedet hatte, hieß es mit dem letzten Stück dann „back to the roots“ und Dirigentin Möst legte einen Blasmusikklassiker auf, den „Mars der Medici“ von Johann Wichers. Der lange anhaltende und tosende Applaus lies nur eine Option offen: Zugabe! Und diese vom Publikum geforderte Zugabe lieferte die Kapelle mit der schmissigen „Perger Polka“ von Kurt Gäble, die erneut zu großem Applaus führte. Bevor sich die neue Dirigentin Melanie Möst allerdings nochmals an das Dirigentenpult stellte, schnappte sie sich das Mikrofon und richtet mit ihrem sympathischen Tiroler Zungenschlag noch einige Worte an die Zuhörerschaft und die Musiker. Die ruhige, thematisch perfekt passende Polka „Guten Abend, gute Nacht“ von Alexander Stütz bildete als zweite Zugabe schließlich den Endpunkt des Konzerts. Zusammenfassend lässt sich sagen: ein sehr stimmungsvolles Konzert und gelungenes und vielversprechendes Debüt der neuen Dirigentin. In gewohnter Weise fanden sich die Akteure mit ihren Anhängen und den Beerdigungsmusiker nach kurzem Aufräumen in der Aula der Mittelschule Zusammen, um das Konzert gebührend zu feiern.